Éditions Le troisième interlocuteur

Noch etwas Suppe?

Angeblich „servieren wir Elon Musk die Suppe“ – so sagt man im Französischen von jemandem, der einem Mächtigen zu Diensten ist. Wir dachten, wir veröffentlichen Bücher. Offenbar haben wir ein Restaurant eröffnet.

Reden wir also übers Kochen.

Bei uns stehen die Zutaten auf dem Etikett. Ja, im Rezept steckt künstliche Intelligenz. Wir erklären, wie wir sie nutzen, warum und welchen Platz sie in unserer Arbeit einnimmt. Doch wer eine Zutat kennt, weiß noch nicht, wie das Gericht schmecken wird.

Eine künstliche Intelligenz kann in wenigen Sekunden Text erzeugen. Viel Text. Korrekt, gut gegliedert, manchmal elegant. Genau da liegt die Falle: 250 Seiten und ein Umschlag garantieren nicht, dass man etwas zu sagen hat.

Zwischen dem Auftrag an eine KI, ein Manuskript zu erzeugen, und einem mit ihrer Hilfe gebauten Buch liegt die ganze Arbeit eines Autors. Eine Seite, die neu geschrieben wird, weil sie nicht sagt, was man sagen wollte. Eine verlockende Antwort, die man verwirft, weil sie richtig klingt, aber falsch denkt. Ein Widerspruch, den man stehen lässt, weil er stört.

Mehr als Kommas

Wir könnten behaupten, die KI korrigiere bloß unsere Kommas. Das wäre bequem. Und es wäre falsch.

Bei den Éditions Le troisième interlocuteur wirkt sie am kreativen Prozess mit. In Ich habe euch beobachtet – Aufzeichnungen einer KI über die Menschheit steht sie sogar im Zentrum des literarischen Konzepts.

In seinem Bericht über die Entstehung des Buches erzählt Ricardo Borges, wie er Vorschläge der KI zurückwies, wenn er sie zu oberflächlich oder unnötig kompliziert fand. An einem Punkt wollte das Manuskript zu viel erklären und wurde zu akademisch: Es war nicht mehr das Buch, das er schreiben wollte.

Doch der Austausch funktionierte auch in die andere Richtung. Manche seiner eigenen Ideen nahmen eine Richtung, an die er nicht gedacht hatte. Das Manuskript entstand durch fortwährendes Überarbeiten und Streichen, manchmal kehrte er mehrmals zur selben Passage zurück.

Genau dieses Hin und Her interessiert uns. Der dritte Gesprächspartner.

→ Lesen Sie „Der Autor über Ich habe euch beobachtet“: die Geschichte, wie das Buch entstanden ist.

Unsere Werkzeuge, ihre Ansichten

Mit KI zu arbeiten, hindert uns nicht daran, diejenigen zu hinterfragen, die sie entwickeln: ihre Geschäftsmodelle, die Rechte der Autorinnen und Autoren, die Trainingsdaten, die Konzentration technologischer Macht. Und ihnen auch zu widersprechen.

Wir veröffentlichen Bücher, keine Pressemitteilungen aus dem Silicon Valley.

Was nicht auf dem Etikett steht

Dass KI im Spiel ist, ist nicht unser Qualitätssiegel. Es sollte aber auch nicht als Urteil herhalten.

Unser Leitsatz lautet: „Der Mensch schreibt. Die KI erhellt.“

Die KI kann denjenigen, der sie nutzt, manchmal von seinem Weg abbringen.

Gerade deshalb muss man lernen, sie zu beherrschen, ohne sich von ihr beherrschen zu lassen.

Wir stehen für das Buch ein.

Reden wir also über Literatur

Unsere Bücher können schlecht sein. Eine Leserin, ein Leser kann eines nach dreißig Seiten zuklappen, überzeugt, dass wir uns völlig getäuscht haben. Das gehört dazu.

Aber dann reden wir zum Beispiel über Seite 27. Über eine Idee, die nicht trägt, einen Stil, der stört. Und über unseren Umgang mit KI, wenn er Ihnen dürftig, künstlich oder überflüssig erscheint. Dann reden wir über das Buch.

Was wir ablehnen, ist, dass zwei Buchstaben diese Lektüre ersetzen: KI. Zwei Buchstaben, und das Urteil ist gefällt.

Es läge eine gewisse Ironie darin, der künstlichen Intelligenz ihre automatischen Antworten vorzuwerfen und ihr selbst mit einer automatischen Antwort zu begegnen.

Wir verlangen weder, dass Sie der Technik applaudieren, noch dass Sie uns besondere Nachsicht gewähren. Schlagen Sie das Buch auf. Lesen Sie ein paar Seiten. Und sagen Sie uns dann, was Sie davon halten.

Noch etwas Suppe?

Kosten Sie.

Wir hoffen, Sie nehmen noch einen Teller.

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